Ist es schon Demenz?

© iStock / oneinchpunch
Ehepaar

Diese oder eine ähnliche Frage stellen sich Menschen häufig in banalen Situationen. Man möchte dem Kollegen vom Urlaub erzählen, erinnert sich aber plötzlich nicht mehr an den Namens des Ortes. Man möchte aus dem Keller etwas holen, weiß aber dort angekommen plötzlich nicht mehr, weshalb man gegangen ist. Vielleicht fallen einem im Gespräch auch plötzlich nicht mehr die richtigen Worte ein oder man biegt auf einem bekannten Weg neuerdings immer wieder falsch ab.

Grundsätzlich ist „Demenz“ der Begriff für das Fehlen oder Verlorengehen der Denkkraft. Somit könnte man die Frage, ob es sich um Demenz handelt, in den beschriebenen Situationen eigentlich mit ja beantworten. Gemeint im engeren Sinne ist allerdings nicht das Symptom, sondern der vermutete biologische Abbauprozess, welcher einer krankhaft abnehmenden Denkleistung zu Grunde liegt.

Die Abschätzung, ob eine krankhafte Veränderung der Denk- und Erinnerungsleistung vorliegt, ist teilweise sehr schwierig. Insbesondere in frühen Stadien – also im Krankheitsfalle den Stadien, welche ich eigentlich erhalten möchte – erfordert dies viel Knowhow und technische Unterstützung.

Leider sind viele Diagnostika und ursächlich wirkende Therapieformen aktuell noch so aufwendig bzw. erst im Entwicklungsstadium, dass sie nicht durchgängig frei verfügbar sind. Die Aufgabe des Spezialisten ist es, einen sinnvollen Diagnoseweg – immer in Hinblick auch auf im jeweiligen Fall daraus resultierenden Therapieoptionen – zu finden. Mit anderen Worten – einfach nur Diagnosestellung ohne Therapiemöglichkeit ist ethisch u.U. bedenklich.

Die Alzheimer Erkrankung ist weltweit für 60% aller Demenzerkrankungen, also ca. 14 Millionen Erkrankte weltweit verantwortlich. Diese beeindruckende Zahl erklärt auch den enormen Forschungsdruck, der in diesem Zusammenhang besteht. Würde man bei allen Betroffenen die Manifestation der Erkrankung nur um 5 Jahre verzögern können, würde sich die Prävalenz – also die Anzahl der Erkrankten – um rund 50% reduzieren. Abgesehen vom Leid, welches man damit verhindern könnte, auch sozioökonomisch ein wichtiges Argument. Wenn Sie Interesse an aktuellen Forschungsprojekten im Bereich Alzheimer und Alzheimerdemenz haben, sprechen Sie bitte die Mitarbeiter in der Neurologie / Psychiatrie des KOPFZENTRUMs an.

Zu Ihrer Beruhigung: Ungefähr 75% der Patienten, welche sich mit der Sorge vorstellen, an Alzheimer zu leiden, können wir nach der Diagnostik beruhigen. Häufig finden sich auch andere, besser therapierbare Ursachen. Oder es handelt sich einfach um nicht krankhafte Phänomene.