Ferienzeit ist Zeckenzeit

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Zecke

Häufig werden in die Überlegung des sommerlichen Urlaubszieles auch mögliche Infektionskrankheiten einbezogen. Gelbfieber, Malaria oder Hepatitis sind Schlagworte, die manchmal den Ausschlag für oder gegen das geplante Sonnenziel geben.

Übersehen wird dabei gelegentlich, dass es auch in Deutschland möglich ist, eine schwere Infektionskrankheit in der freien Natur zu erwerben. Aus neurologischer Sicht denkt man in diesem Zusammenhang zunächst an die Frühsommermeningoenzephalitis (kurz FSME) und die Borreliose. Beide Erkrankungen können durch Zecken übertragen werden.

Die FSME ist eine durch Viren ausgelöste Hirnhaut- oder Hirnentzündung. Durchschnittlich 2% aller Zecken übertragen die Erkrankung, wobei es große regionale Unterschiede gibt. Nicht jede Infektion wird bemerkt. Die Erkrankung hat einen zweiphasigen Verlauf. Zunächst verspürt der Patient einfache Grippesymptome. Nach 1 bis 2 Wochen kommt es dann zu starken Kopfschmerzen, Erschöpfbarkeit, Übelkeit und teilweise neurologischen Ausfällen. Die Ausprägung der Symptome und die Heilungschancen sind sehr unterschiedlich. Generell gilt, dass die Prognose von erkrankten Kindern deutlich besser ist, als die betroffener Erwachsener.

Der Erreger der Borreliose ist ein Bakterium (lat. Borrelia burgdorferi). Bis zu 40% aller erwachsenen Zecken tragen den Erreger in sich. Nicht appetitlich ist der Gedanke, dass die Bakterien im Darm der Zecke leben. Allerdings gibt dies einen Hinweis, sich im Falle eines Zeckenstiches zu schützen. Es dauert nämlich Stunden, bis die Bakterien aus dem Darm in das menschliche Blut gelangen. Eine schnelle Entfernung der Zecke kann somit eine Infektion verhindern. Die Symptome einer Borreliose können sehr unterschiedlich sein, was es schwer machen kann, sie zu erkennen. Im frühen Stadium sind die typische Wanderröte (Erythema migrans), Abgeschlagenheit und mitunter Gelenkschmerzen typische, aber leider unsichere Symptome. Das Nervensystem kann unmittelbar angegriffen werden. Dabei entstehen häufig schmerzhafte Lähmungserscheinungen als Ausdruck der Entzündung der Nervenwurzeln. Auch Gesichtslähmungen (Fazialisparesen) kommen vor. Im späteren (unbehandelten) Verlauf können Symptome einer Hirnschädigung – ähnlich den Symptomen einer MS auftreten.

Die Zecke (deutsch: Holzbock, latein: Ixodes ricinus) gehört zu den Milben und damit zu einer Unterart der Spinnen – erkennbar an den 8 Beinen. Sie sticht ihr Opfer und kann mit einer Blutmahlzeit unter Laborbedingungen bis zu 10 Jahre überleben.

Der beste Schutz vor einer Infektion durch eine Zecke ist es, gar nicht erst gestochen zu werden. Hier einige Tipps:

  • Den Aufenthalt in hohem Gras oder Unterholz vermeiden, da die Zecken hauptsächlich dort sitzen.
  • Geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen tragen. So gelangen Zecken nicht so schnell an die Haut.
  • Auf heller Kleidung sind Zecken besser und schneller zu erkennen.
  • Die Socken sollten über die Hosenbeine gezogen werden, damit die Zecke nicht so leicht unter die Kleidung krabbeln kann.
  • Insektenabweisende Mittel verwenden. Diese helfen jedoch immer nur eine kurze Zeitspanne (1-3 Stunden) und müssen immer wieder aufgetragen werden.
  • Nach jedem Spaziergang den Körper nach Zecken absuchen. Zecken bevorzugen dünne und warme Hautstellen. Deshalb sollte besonders an den Armen, in den Kniekehlen, am Hals und Kopf sowie im Intimbereich gründlich auf Zecken geachtet werden.

Zecken gibt es in Deutschland fast überall. Aber nicht alle Zecken übertragen auch Krankheiten. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. Insbesondere im süddeutschen Bereich (FSME) aber auch in Sachsen (Borreliose) gibt es Risikogebiete. Hier sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden und mit Ihrem Arzt über eine Impfung (nur gegen FSME möglich) gesprochen werden.