Hörsturz

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Die Symptome des Hörsturzes sind eindeutig: scheinbar aus dem nichts kann der Betroffene auf einer Seite weniger hören. Dabei handelt es sich immer um plötzliche Einschränkungen, die manchmal mit einem Ohrgeräusch, Unwohlsein & Schwindel und gelegentlich mit Gefühlsstörungen um das Ohr einhergehen.

Es ist heute bekannt, dass die plötzliche Hörstörung fast immer durch eine Störung der feinen Haarzellen im Innenohr verursacht wird. Auch kleinste Veränderungen der Innenohrflüssigkeit, z.B. durch Störungen der molekularen Ventile zur Regelung der elektrischen Ladung genügen, um die Haarzellen -zumindest vorübergehend- aus dem Tritt zu bringen. Diese wiederum werden durch allgemeine Infekte (z.B. Virusschnupfen), große Anspannung (z.B. durchlebte Nacht, emotionaler Stress) oder Kreislaufschwankungen begünstigt. In sehr seltenen Fällen kann ein Einriss einer Membran am sog. Runden Fenster die Ursache für einen ausgeprägten Hörverlust sein. Meist ist jedoch nur eine bestimmte Region der Hörschnecke und damit wenige Frequenzen vom Hörsturz betroffen.

Die Behandlung basiert nach den modernen HNO-Handbüchern auf mehreren Säulen (in den Klammern sind die KOPFZENTRUM-Behandlungscodes aufgeführt): Kortikoide werden zur Stabilisierung der Zellstruktur im Innenohr als Infusion und als Injektion ins Mittelohr eingesetzt (IOP1-2). Die Gabe hochdosierter Vitamine als Infusion kann die elektrische Aufladung im Innenohr puffern (IVI). Mit Hilfe von Regenerationsfaktoren kann die Selbstheilung der Sinneszellen gefördert werden (IOP3). Physiotherapeutische Behandlungen der Rezeptoren der geraden Halsmuskulatur können über Reflexbögen die Durchblutung im Innenohr fördern (IER). Mit einer minimal-invasiven Operation kann die Rundfenster-Membran überprüft und wieder verschlossen werden (cTYS).

Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Hörsturz-Behandlung ist mit > 95% Komplettheilung sehr groß. Häufig genügen bereits die körpereigenen Reparaturmechanismen, mit denen das Sinnesorgan innerhalb weniger Tage wiederhergestellt wird. Trotzdem setzt die moderne HNO-Heilkunde auf die Möglichkeiten der medizinischen Unterstützung, um den unumkehrbaren Totalausfall des Ohres unbedingt zu vermeiden. Deshalb sollte ein Hörsturz innerhalb von 24 Stunden dem HNO-Arzt vorgestellt werden.

Eine Besonderheit ist bei der Abrechnung der Leistungen zur Behandlung eines Hörsturzes zu beachten. Die deutschen gesetzlichen Krankenversicherungen stufen die Hörsturz-Therapie in den meisten Fällen als nicht-notwendig ein. Deshalb sind ausgewählte Leistungen vom Patienten selber zu tragen. Wir informieren Sie in jedem Fall detailliert und transparent.

Zögern Sie nicht, einen Termin zur Beratung in einer unserer Praxen zu vereinbaren. Wir würden uns freuen, Sie als Patienten begrüßen zu dürfen.

 

Autor: Herr Prof. Dr. med. Gero Strauss, Chefarzt Fachbereich HNO, ACQUA Klinik Leipzig