„Ist das Lispeln meines Kindes noch niedlich und harmlos oder krankhaft und braucht Behandlung?"

Magnetbuchstaben

Fast 40% aller Vor- und Grundschulkinder lispeln und viele Kinder zeigen dies bereits bei ihren ersten Wörtern.

Beim Lispeln handelt es sich um eine sogenannte „Phonetische Störung“. Das bedeutet, dass die an der Bildung der Laute beteiligten Sprechorgane (Zunge, Lippen) in ihren Funktionen (Wahrnehmung, Luftführung, Zungen- und Lippenstellung usw.) eingeschränkt sind.

Hierbei werden die Laute /s/ oder /sch/ entweder zwischen den Zähnen oder an den Zähnen gebildet. Manchmal entweicht die Artikulationsluft auch seitlich zwischen den Zähnen.

Generell ist ab dem 4. Lebensjahr eine logopädische Abklärung des Lispelns in Verbindung mit einer HNO-ärztlichen Diagnostik sinnvoll, um eine Störung der Mund- und Zungenmotorik als Ursache des Sprechfehlers auszuschließen. Diese Störung ist behandlungsbedürftig und von dem entwicklungsbedingten Lispeln abzugrenzen.

Kinder mit regelrechter Mundmotorik erwerben meist die korrekte Aussprache des S-Lautes selbstständig bis zum 6. oder 7. Lebensjahr. Wenn sonst keine weiteren Erkrankungen oder Sprachstörungen vorliegen, kann mit einer logopädischen Behandlung bis zum Zeitpunkt nach dem Frontzahnwechsel abgewartet werden, da eine geschlossene Frontzahnreihe den Therapieverlauf günstig beeinflusst.

Wird jedoch eine Störung des Muskelgleichgewichts in Verbindung mit Lispeln diagnostiziert, ist diese bereits ab dem 4. Lebensjahr logopädisch zu behandeln.

Als Ursachen dieser Motorikstörung können neben behinderter Nasenatmung durch vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln, Allergien, mangelhaftes oder fehlendes Schnäuzen oder durch ständige Infekte, zu lange und zu intensive Flaschenernährung oder ungünstige Lutschgewohnheiten (am Daumen, Betttuch,  Finger oder Schnuller) in Frage kommen.

Die Diagnostik und Behebung dieser Ursachen ist neben der Einleitung einer logopädischen Therapie unbedingt ratsam um folgende Begleitsymptome zu behandeln:
Inkompletter Mundschluss, Mundatmung, vermehrter Speichelfluss, eingeschränkte Zungenbeweglichkeit, unphysiologische Zungenruhelage, Vorverlagerung der Zunge beim Sprechen, insgesamt unausgeglichener Muskelbalance im Mund-, Gesichts-, und Halsbereich.

Im unbehandelten Fall kann eine myofunktionelle Störung zu hartnäckigen Fehlhaltungen der Zunge mit Auswirkungen auf das Schlucken und die Zahnstellung führen. Neben dem erwähnten Lispeln kann die gesamte Aussprache unter einer schwachen Mundmotorik leiden. Eine häufige Mundatmung begünstigt des Weiteren die Entstehung von HNO-Infekten und ist einer optimalen Sauerstoffversorgung des Organismus nicht zuträglich.

Eltern von Kleinkindern können der Entstehung einer myofunktionellen Störung wirksam vorbeugen, wenn Sie folgende Tipps beherzigen:
Schnullerentwöhnung mit 12 Monaten, auch bei leicht verstopfter Nase die Belüftung durch Nasensprays ermöglichen, Zungenmotorik durch Trinken und Pusten mit dem Strohhalm fördern, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Kinder- oder HNO-Arzt um z. B. Schnarchen oder Infektneigung abzuklären.